Aktuell überarbeite ich meine Website. Anfragen für Workshops oder andere Bildungsangebote nehme ich weiterhin gern entgegen.

Mein SK-Angebot

Systemisches Konsensieren

Im September 2024 beschäftige ich erstmals im Rahmen einer Basisfortbildung mit dem Systemischen Konsensieren. Ich hatte mich angemeldet, weil ich in den letzten Jahren beobachtet hatte, dass Entscheidungen, die von der Mehrheit getroffen werden, häufig zu Unzufriedenheit und Konflikten führen.

Dieses Basismodul, das von einer erfahrenen SK-Trainerin durchgeführt wurde, begeisterte mich auf Anhieb und führte in der Folge dazu, dass ich mich mit dem SK-Prinzip noch weiter vertraut machen wollte. Nach der Teilnahme an zwei SK-Community-Tagen des Instituts Konsenslotsen erhielt ich am 8. November 2025 die Zertifizierung als SK-Anwender.

Die Erfahrungen, die ich in diesen Fortbildungen sowie in eigenen SK-Workshops gesammelt habe, bestätigen mir, dass ich die richtige Wahl getroffen habe.

Meine Ausbildung zum SK-Moderator setze ich 2026 und 2027 voraussichtlich mit der Teilnahme an den SK-Tagen in Berlin fort. 

Meine Bildungsangebote mit dem SK-Prinzip teilen sich in zwei Einsatzfelder auf:

1) Vermittlung des SK-Prinzips zur Anwendung für tragfähige Entscheidungen

In einem für die Teilnehmenden und ihre spezifischen Kontexte und Bedürfnisse passenden Format und Umfang vermittle ich die Funktionsweise des SK-Prinzips und befähige die Teilnehmenden, Systemisches Konsensieren in ihrem privaten oder beruflichen Alltag anzuwenden. Die Teilnehmenden lernen die partizipations- und kooperationsfördernde Wirkung kennen und lernen, wie sie mit SK effizient Entscheidungen treffen, Konflikten vorbeugen und diese lösen können. Dabei erhalten die Teilnehmenden ausreichende Gelegenheit, die Anwendung des SK-Prinzips zu üben. 

Das Systemische Konsensieren biete ich in Formaten unterschiedlicher Länge an, von 90 Minuten  bis mehrtägig. Entscheidend für die Auswahl sind die Interessen und die gewünschten Anwendungsfälle des Entscheidungsverfahrens – etwa privat im Freundeskreis, betrieblich in Meetings oder Veranstaltungen bis hin zu langfristigen Entscheidungsprozessen zu großen Projekten oder für Entwicklungsprozesse innerhalb von Organisationen. 

Für einen Workshop mit Übungsanteil und Raum für Reflexion ist ein Gesamtumfang von etwa einem Tag (8 Stunden inkl. Pausen) ausreichend. Kürzere Formate sind mit Fokus auf die Anwendung in kleineren Gruppen und/oder die Reduzierung des Übungsanteils ebenfalls möglich. 
Dazu biete ich verschiedene Vertiefungen zu SK an, z.B. mit erweitertem Übungsteil, mit einem Fokus auf die Anforderungen und Rollenverständnisse der SK-Moderation oder zu den digitalen Anwendungen des SK-Entscheidungsprinzips für große Gruppen. 

Bei anfragenden Gruppen stimme ich mich in Bezug auf die Auswahl des Formats und Methoden mit Ihnen ab und kläre vorliegende Informationen zu Wissens- und Kompetenzstand, Lern- und und sonstigen Bedürfnissen Ihrer Teilnehmenden. 

2) Anwendung des SK-Prinzips in meinen Bildungsangeboten

Seminargruppen unterscheiden sich von anderen Gruppen in Bezug auf die Notwendigkeit demokratischer Entscheidungen nicht grundsäzlich. Daher wende ich in all meinen Angeboten das SK-Prinzip an: für die Abfrage nach Konsens mit der Einwand-Frage, f+r das Treffen strittiger Entscheidungen als auch für mögliche auftretende Konflikte. In meinen Workshops und anderen Bildungsformaten zu den Themen Demokratie und Demokratisch Entscheiden spielt das SK-Prinzip eine hervorgehobene Rolle. Schließlich gibt es auch Schnittpunkte zu den Lernzielen vieler Betzavta-Übungen, sodass es auch in meinen Betzavta-Kursen häufig zur Anwendung kommt. 

3) Moderation in Entscheidungssituationen und Konfliktfällen mit dem SK-Prinzip

Das SK-Prinzip ist in allen kollektiven Entscheidungssituationen anwendbar. Bei bereits bestehenden Konflikten trägt es zur Lösungsfindung wesentlich bei, indem es die Beteiligten zu Kooperation anstelle von Konkurrenz- und Lagerdenken motiviert. 

Als Moderator unterstütze ich Ihre Gruppe bei einer lösungsorientierten, partizipativen und tragfähigen Entscheidungsfindung. Dabei kläre ich mit Ihnen im Vorfeld geeignete Fragestellungen, das Prozessdesign, ggf. vorhandene Konflikte und den möglichen Ablauf der Lösungssuche. Mit Hilfe der SK-Moderation können sich sowohl unlösbar scheinende Widersprüche auflösen als auch zähe Konsensssuchen effizient beschleunigen.

SK ist zudem ein optimales Werkzeug für Führungskräfte. Die Beschränkung auf die Erstellung einer entscheidungsvorbereitenden Rangordnung der Lösungsvorschläge erlaubt Leitungspersonen oder vorgeschriebenen Entscheidungsgremien, die endgültige Entscheidung zu treffen. Wird diese mit dem SK-Prinzip vorbereitet, steigen die Chancen deutlich auf konsens- und damit tragfähige Lösungen. 

Die Moderation mit SK spart Zeit und Nerven, beugt zukünftigen Konflikten, die etwa durch Mehrheitsentscheidungen getroffen werden, vor und führt zu tragfähigen breit akzeptierten und problemadäquaten Lösungen.  

Weitere Informationen zu meinem Moderationsangebot finden Sie hier.

Ziele und Wirkungen des Systemischen Konsensierens

Das Systemische Konsensieren zielt darauf ab, Entscheidungen zu treffen, die den größtmöglichen Interessenausgleich in einer Gruppe ermöglichen. Im Gegensatz zur Mehrheitsentscheidung entscheidet bei SK nicht die stärkste Fraktion – die im Übrigen häufig gerade nicht die absolute Mehrheit in der Gruppe stellt – sondern der geringste Widerstand der Gruppe. Dadurch wird sichergestellt, dass alle Beteiligten die Entscheidung mittragen können, auch wenn sie diese nicht aktiv befürworten. Das SK-Prinzip fördert also Entscheidungen, die nachhaltig akzeptiert werden und das Konfliktpotenzial minimieren.

SK überwindet die klassische Rivalitätslogik von Entscheidungsfindungen und setzt stattdessen auf konstruktive Zusammenarbeit und gegenseitige Rücksichtnahme. Dabei wird die Gruppe dynamisch in Richtung Konsens geführt, ohne dass ein einhelliger Konsens zwingend erreicht werden muss.

Das SK-Prinzip ist ein Ansatz, der die „Kreativität und Konsensbereitschaft“ der Gruppe nutzt, um tragfähige Lösungen zu finden, die für alle akzeptabel sind. Es bewirkt eine Umkehr der üblichen Verhaltensmuster, da egoistische oder machtorientierte Strategien durch die Methode automatisch abgeschwächt werden.

Ein wichtiger Effekt des SK-Prinzips ist die Förderung von Vertrauen und Kooperation innerhalb der Gruppe. Das Prinzip regt dazu an, die Bedürfnisse der anderen zu berücksichtigen, da nur so eine Entscheidung mit geringem Widerstand möglich wird. 

Schließlich trägt die Anwendung des SK-Prinzips bei Gruppenentscheidungen dazu bei, möglichst vielfältige Lösungsansätze zu finden und damit komplexen Problemen und Entscheidungsfindungsprozessen Rechnung zu tragen.

Kollektive Entscheidungen sind am ehesten dann gute Entscheidungen, 
wenn sie von Leuten mit verschiedenartigen Informationen 
in voneinander unabhängiger Folgerung erreicht werden.“

 (James Surowiecki, 2007)

Das SK-Prinzip schafft genau diesen Rahmen und ermöglicht es, die Weisheit der Gruppe zu nutzen, um tragfähige und kreative Lösungen zu entwickeln.

Vorteile gegenüber der Mehrheitsentscheidung 

Das SK-Prinzip bietet zahlreiche Vorteile im Vergleich zur traditionellen Mehrheitsentscheidung

Die Schwächen der Mehrheitsentscheidung

  • Spaltung und Machtkämpfe: Mehrheitsentscheidungen erzeugen oft Konflikte, da die Minderheit überstimmt wird und sich als Verlierer fühlt. Dies führt zu Spaltung und Rivalität.
  • Fehlende Rücksichtnahme: Gewinner sind nicht verpflichtet, die Interessen der Verlierer zu berücksichtigen. Dies kann langfristig zu Blockaden und einer Verhärtung der Fronten führen.
  • Populismus und Polarisierung: Die Mehrheitsentscheidung verleitet dazu, Feindbilder zu schaffen, um Mehrheiten zu mobilisieren. Dadurch werden Dialog und Zusammenarbeit erschwert.

 

Die Stärken des SK-Prinzips

  • Minimierung von Konflikten: Das SK-Prinzip misst nicht die Zustimmung, sondern den Widerstand gegen Vorschläge. Dadurch wird sichtbar, welche Lösungen das geringste Konfliktpotenzial und damit die größte Akzeptanz haben. 
  • Kooperation statt Spaltung: Mit dem SK-Prinzip wird nicht nur differenziert und transparent erkenntlich, wer Lösungsvorschläge befürwortet oder ablehnt, sondern auch, wer diese mitträgt. Widerstände werden dabei Ernst genommen, konstruktiv bearbeitet und regen zur kooperativen Lösungssuche an. 
  • Akzeptanz statt Opposition: Entscheidungen mit geringem Widerstand werden von der gesamten Gruppe mitgetragen. Die Messung der Akzeptanz durch das Erfassen von Widerständen stellt eine solide Grundlage für tragfähige Entscheidungen dar. 
  • Förderung von Kreativität: Beim Mehrheitsentscheid entstehten dagegen Legitimationsproblemen bei knappen Abstimmungsresultaten, was zur Reduzierung der erlaubten Vorschläge führen kann. Das Einbringen von Vorschlägen wirkt dagegen bei SK systemisch konstruktiv und wird daher begrüßt. Die Beteiligten bringen ihre Bewertungen zudem differenziert durch abgestufte Widerstandsstimmen zum Ausdruck, wodurch auch Ambivalenz und innere Widersprüche ausdrückbar werden. Damit schafft SK Voraussetzungen für kreative, innovative und problemadäquate Lösungen.

 

Im Gegensatz zum Mehrheitsprinzip, das Konflikte oft verdeckt oder verschärft, schafft das SK-Prinzip Transparenz über die Interessen und Bedenken aller Beteiligten und führt zu nachhaltigeren konsensorientierten Entscheidungen

Funktionsweise des SK-Prinzips

Das SK-Prinzip basiert auf der Messung des Widerstands der Beteiligten gegen verschiedene Lösungsvorschläge. Es geht nicht darum, Zustimmung (Ja-Stimmen) zu messen, sondern den Widerstand (Nein-Stimmen) transparent zu machen. Dies erlaubt es, Lösungen zu finden, die den größtmöglichen Interessenausgleich bieten. Die Pionier*innen des SK-Prinzips haben im Laufe der Zeit ein passendes Set an Moderationsinstrumenten entwickelt, mit denen unterschiedlichste Entscheidungs- und Konfliktsituationen moderiert werden können. Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Prozesse, die im Rahmen einer Konfliktlösung oder Entscheidungsfindung mit den SK-Instrumenten geleitet werden:

Zentrale Schritte des SK-Prinzips

1) Sammlung von Lösungsvorschlägen: Die Gruppe entwickelt möglichst viele Vorschläge, die das Problem adressieren. 

2) Bewertung der Vorschläge: Alle Beteiligten bewerten jeden Vorschlag auf einer selbstgewählten Skala, die der Tragweite und Komplexität des Problems Rechnung tragen, mit Widerstands-Stimmen.  Die häufigsten Varianten der Skalierung sind 0-2  und 0-10, wobei 0 keinerlei Widerstand und 2 bzw. 10 maximalen Widerstand bedeutet. 

3) Gruppenwiderstand berechnen: Die Widerstandswerte aller Beteiligten werden summiert, um den Gesamtwiderstand für jeden Vorschlag zu ermitteln. Daraus wird auch das Konfliktpotenzial und die Akzeptanz der Vorschläge ermittelt. 

4) Rangordnung der Vorschläge: Die Vorschläge werden in eine Rangordnung entsprechend ihrer Akzeptanz gebracht. Sie stellt eine Zwischen- oder die Endbewertung dar.  Der Vorschlag mit dem geringsten Widerstand entspricht dem Vorschlag mit der größten Gruppenakzeptanz.

5) Verschiedene weitere SK-Instrumente und Erfahrungen im Umgang mit verschiedenen Ergebniskonstellationen ebnen den Weg für einen geeigneten Fortsetzungsprozess, der zur Entscheidungsfindung führt. Die finale Entscheidung hängt u.a. vom Ergebnis der Widerstandsmessung und vom angestrebten Konsensniveau innerhalb der Gruppe ab.

6) Die Schritte 1-6 können sich ggf. wiederholen, bis eine von allen mitgetragene breit akzeptierte Lösung gefunden wird.

Einwände gegen Systemisches Konsensieren

Trotz seiner Stärken gibt es auch Einwände gegen das SK-Prinzip, insbesondere von Personen oder Gruppen, die von traditionellen Machtstrukturen profitieren.

Einwände aus der Praxis

  • Angst vor Kontrollverlust: Personen in Machtpositionen befürchten, durch SK an Einfluss zu verlieren. Sie argumentieren, dass es unvorhersehbar sei, welche Ergebnisse herauskommen, und dass Streit notwendig sei, um gute Ideen zu entwickeln.
  • Komplexität: In großen Gruppen kann die Bewertung vieler Vorschläge zeitaufwendig sein. Auch das Verständnis des SK-Prinzips erfordert eine gewisse Einführung und Übung.
  • Dominanz und Manipulation: Kritiker befürchten, dass dominante Personen die Bewertungen der anderen beeinflussen oder manipulieren könnten.

 

Stärken als Antwort auf die Einwände

  • Während es Einwände gegen die Komplexität gibt, zeigt die Praxis, dass das SK-Prinzip zeiteffizienter ist als viele traditionelle Entscheidungsprozesse, da es Einwände und Konfliktpotenzial von Anfang an integriert und damit Streit und Kompromissverhandlungen im Nachgang von Entscheidungen minimiert.
  • Die Sorge vor Dominanz wird durch die Transparenz des Systems abgeschwächt: Widerstandswerte sind für alle sichtbar, machtorientierte Strategien werden automatisch „bestraft“, da sie die eigene Position schwächen können.
  • Das Argument des Kontrollverlusts greift nicht, da Entscheidungsträger weiterhin die Verantwortung tragen können. Das SK-Prinzip kann ebenso wie zur Entscheidungsfindung auch zur Vorbereitung von Entscheidungen genutzt werden.

Anwendungsmöglichkeiten des SK-Prinzips

Das SK-Prinzip ist in vielen Bereichen anwendbar und kann sowohl in kleinen Gruppen als auch in großen Organisationen genutzt werden. Es eignet sich besonders für Situationen, in denen es um Interessenausgleich und konsensnahe Entscheidungen geht. Die folgenden Beispiele entstammen realen Anwendungsfällen: 

1) Persönlicher Bereich:  

    – Planung von Familienaktivitäten oder Treffen.

    – Lösen von Konflikten in der Familie oder im Freundeskreis.

2) Beruflicher Kontext:

     –  Entscheidung über Projekte, Dienstpläne oder Arbeitsaufteilungen.

     –  Auswahlprozesse, wie z. B. die Besetzung von Stellen.

     –  Verbesserung der Meeting-Kultur durch konstruktive Entscheidungen

3) Zivilgesellschaft und Politik:

      – Bürgerbeteiligungen, z. B. bei der Stadtplanung oder Bürgerhaushalten.

      – Konsensfindung in Vereinen oder Initiativen.

      – Vorbereitung politischer Entscheidungen, um Konflikte zu minimieren.

4) Großgruppen und digitale Prozesse: 

     – Beteiligung vieler Menschen über digitale Plattformen, z. B. bei offenen Beteiligungsverfahren.

     – Anwendung in internationalen Gremien oder bei großen öffentlichen Projekten. 

Durch seine Flexibilität und Fokussierung auf Akzeptanz ist das SK-Prinzip ein vielseitiges Werkzeug, das in jedem Kontext angewendet werden kann, in dem Menschen gemeinsam Entscheidungen treffen möchten.

Quellen:

Neben den hier genannten Quellen basieren die Informationen zum SK-Prinzip auf dieser Seite auch sehr wesentlich auf Austausch mit und Erfahrungsberichten von SK-Anwender*innen.

  • Wilhelm, Elke (2025). Systemisches Konsensieren in Organisationen – Dissens als kreative Ressource kooperativer Entscheidungsprozesse. [Unveröffentlichte Masterarbeit]. FernUniversität Hagen.
  • Schrotta, Siegried (Hrsg.) (2011). Wie wir klüger entscheiden: Einfach – schnell – konfliktlösend. Systemisches Konsensieren – Mehrheitsentscheidungen überwinden. Potsdam: tredition. 
  • Surowiecki, James (2007). Die Weisheit der Vielen: Warum Gruppen klüger sind als Einzelne. München: Goldmann.

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Gregor Freytag