Mein Betzavta-Angebot

Die Vermittlung einer wertebasierten demokratischen Haltung und demokratischer Kompetenzen für tragfähige und konfliktlösende Entscheidungen ist mein Herzensanliegen. Als ich im September 2024 den Betzavta-Ansatz während des Basismoduls in der Villa Fohrde kennengelernt habe, wurde mir schnell das große Potenzial der Methode deutlich. Die Erfahrungen in dieser Woche lehrten mich, dass die Übungen in relativ kurzer Zeit viel erreichen können, was insbesondere im traditionellen Politikunterricht, aber auch bei auf das soziale Miteinander allein ausgerichteten Kursen häufig nicht oder nur unzreichend gelingt: 

  • eine Entwicklung der persönlichen Wahrnehmungskompetenz in Bezug auf interindividuelle Kommunikation und Emotionen
  • Erweitertung der sozialen Kompetenzen, auch in Bezug auf Wechselwirkungen des Seminargeschehens mit gesellschaftspolitischen Machtverhältnissen
  • eine Erweiterung des eigenen Demokratieverständnisses und 
  • ein Vertrauensgewinn in die Lern-, Konfliktlösungs- und Demokratiefähigkeit von Kollektiven vor dem Hintergrund ungleicher Machtverteilung, die in den Übungen sowohl gruppenspezfisch als auch gesellschaftspolitisch  zum Gegenstand gemacht wird. 

Inzwischen befinde ich mich kurz vor dem Abschluss als Betzavta-Trainer, der im September 2025 geplant ist. 


Auf dieser Seite stelle ich die Entstehungsgeschichte, die theoretischen Grundlagen, die Ziele und Wirkungen sowie die Themenfelder des Betzavta-Ansatzes knapp vor. Eine intensivere Beschäftigung mit dem Ansatz ist durch weiterführende Literatur, die ich ausschnitssweise unten angefügt habe, möglich. 


Für die Buchung eines Kurses mit Betzavta-Übung bitte ich zu beachten, dass generell zwei Möglichkeiten dazu bestehen: 


1) Es ist zum einen möglich, eine oder mehrere Übungen mit dem Ziel der Erweiterung der demokratischen Kompetenzen der Teilnehmenden, ggf. in Verbindung mit bestimmten gesellschaftspolitischen Themenwünschen, zu buchen.

2) Zum anderen können Workshops oder andere politische Bildungsformate mit spezifischem Themenbezug angefragt werden, in die ich je nach gemeinsam mit Ihnen vereinbartem Lernziel Betzavta-Übungen integriere. Das thematische Spektrum der Betzavta-Übungen (siehe unten) erlaubt viele verschiedenartige Verknüpfungen. 

Das Minimum an zeitlichem Aufwand für die Durchführung einer Übung beträgt circa 2,5-3 Stunden. 
 
Eine nachhaltige Wirkung der Methode setzt voraus, dass die Teilnehmenden einen individuellen und kollektiven Entwicklungsprozess durchlaufen. Ich empfehle daher, sich für Betzvta-Übungen zumindest einen kompletten Workshop-Tag (circa 6 Stunden zzgl. Pausen) vorzunehmen, idealerweise jedoch 3-4 Tage und/oder einen Umfang von z.B. 3 Stunden (1 Übung) auf mehrere Wochen verteilt. 

Entstehung des Betzavta-Ansatzes
 

Das Programm „Betzavta“ (zu Deutsch „Miteinander“) wurde ursprünglich als Trainingshandbuch entwickelt und diente ab 1988 dazu, eine neue Reihe von Bildungsinitiativen des „Adam Institute for Democracy and Peace“ in Jerusalem einzuleiten. Dieses Institut, das 1986 gegründet wurde, wollte mit Betzavta ein innovatives Konzept für Demokratie- und Toleranzerziehung schaffen. Die inhaltliche und methodische Grundlage des Programms wurde von Uki Maroshek-Klarman, der Leiterin des Instituts, ausgearbeitet und war in der israelischen Pädagogik bis dahin einzigartig.

Das Bildungsprogramm sollte insbesondere Schwächen im Sozialkunde- und Politikunterricht beheben, die durch mehrere kritische Schulberichte aufgezeigt worden waren. Mit Betzavta entstand erstmals ein modular aufgebautes Angebot, das Schülern und Lehrern die wesentlichen Werte und Prinzipien der Demokratie näherbrachte.

Zunächst wurde das Programm im jüdischen Teil des israelischen Bildungssystems umgesetzt, sowohl im Unterricht als auch in der Lehrerweiterbildung. Es fand aber schnell seinen Weg in die außerschulische politische Bildungsarbeit und wurde auch für Kurse mit unterschiedlichen Zielgruppen genutzt, darunter Neueinwanderer*innen, Sozialarbeiter*innen, Polizist*Innen und Multiplikator*innen in Bildungs- und Friedensorganisationen. Bereits im Jahr 1988 wurde das Konzept so angepasst, dass es auch im arabischen Bildungssektor Israels eingesetzt werden konnte. 

Ab 1996 begann die internationale Verbreitung des Programms, zunächst in Deutschland durch das Centrum für angewandte Politikforschung an der Universität München. In der Folge wurde das Konzept auch in Zusammenarbeit mit dem Adam Institut und internationalen Partnern in Nordirland, der Schweiz und Südosteuropa umgesetzt. 

Heute ist Betzavta weltweit anerkannt und wird sowohl in schulischen als auch in außerschulischen Bildungseinrichtungen als demokratiepädagogisches Programm eingesetzt.

 

Ablauf von Betzavta-Übungen

Das Programm arbeitet mit einer besonderen Methode und verknüpft dabei inhaltliche Impulse mit dem gruppendynamischen Prozess. Im Seminar werden 

  • im ersten Teil durch ergebnisoffene Übungen Situationen geschaffen, in denen sich die Teilnehmenden mit sich widersprechenden Positionen, Einstellungen und Bedürfnissen konfrontiert sehen und handeln müssen. Der Prüfung der Bedürfnisse aller Beteiligten wird dabei vor der Entwicklung von lösungsorientierten Konzepten ein besonderer Stellenwert beigemessen.
  • Im zweiten Teil werden die Erlebnisse der Teilnehmenden gemeinsam reflektiert. In der Reflexionsphase werden dabei Konflikte in innere Dilemmata verwandelt und dabei gemeinsam die Wechselwirkungen zwischen gruppendynamischen Entwicklungen und gesellschaftspolitischen Fragestellungen besprochen. 

Betzavta/Miteinander lenkt den Blick von der vorrangigen Verfolgung eigener Interessen zu der Anerkennung der Gleichrangigkeit aller Interessen als grundlegendem Prinzip – unabhängig davon, ob die Mehrheit die eigenen Interessen teilt oder ob man gerade zur Minderheit gehört.

Ziele und Wirkungen von Betzavta

Der Betzavta-Ansatz wurde schon früh, nach nur wenigen Jahre seiner Adaption durch das CAP in München, evaluiert. 

Die wissenschaftliche Evaluation wurde dabei in Deutschland  im Zeitraum 2001-2002 durch Michael Bommes, Jochen Guter und Ulrike Wolff-Jontofsohn durchgeführt. Sie konzentrierte sich auf Multiplikator*innenen, die das Programm in verschiedenen Bildungskontexten einsetzen. Die Teilnehmer*innen der Untersuchung waren Lehrer*innen, Pädagog*innen und Personen aus anderen Berufen, darunter Polizist*innen und wissenschaftliche Mitarbeiter*innen.
Aus der Abschlusspublikation „Demokratieerziehung in der Praxis. Eine Evaluation des Programms MITEINANDER - ERFAHRUNGEN MIT BETZAVTA“ geht hervor, welche didaktischen und pädagogischen Ziele angestrebt wurden und welche Wirkungen diese erzielt haben:

Betzavta schult demnach politische Urteilsfähigkeit, aktive Beteiligung und moralisches Bewusstsein durch eine Kombination aus gruppendynamischen Methoden, der Bearbeitung von Wertekonflikten und kooperativen Lehr-/Lernformen. ​ Die Hauptansätze sind: 

1. Gruppendynamische Methoden: Betzavta nutzt die Dynamik innerhalb von Gruppen, um soziale Verhaltensweisen zu aktivieren und zu reflektieren. ​ Durch Aktivitäten wie das "Zettelspiel" oder die "Traumhaus-Aktivität" werden Konflikte und Dilemmata erzeugt, die die Teilnehmer dazu bringen, ihre eigenen moralischen Positionen zu erkennen und zu hinterfragen. ​

2. Bearbeitung von Wertekonflikten: Das Programm stellt die Teilnehmer*innen vor moralische Dilemmata, die aus realen politischen und sozialen Problemlagen entstehen. ​ Diese Konflikte werden in der Gruppe diskutiert und reflektiert, was zu einer tieferen Auseinandersetzung mit demokratischen Werten und Prinzipien führt. ​

3. Kooperative Lehr-/Lernformen: Betzavta fördert den Meinungsaustausch und die Konsenssuche in kleinen Gruppen. ​ Die Teilnehmer*innen reflektieren zunächst ihre persönlichen Meinungen, tauschen sich dann in Kleingruppen aus und vergleichen schließlich ihre Ansichten im Plenum. ​ Dies fördert die Urteilsbildung und die Fähigkeit, unterschiedliche Perspektiven zu berücksichtigen. ​

4. Demokratische Kompetenzen: Durch die Auseinandersetzung mit demokratischen Grundwerten und die Einübung gewaltfreier Konfliktlösungen entwickeln die Teilnehmenden moralisches Bewusstsein, Urteilsfähigkeit und die Bereitschaft zur aktiven Beteiligung am politischen Leben. ​

5. Moderation und Reflexion: Die Moderator*innen lenken die Auswertungsrunden so, dass die Gruppenprozesse transparent werden und die ausgelösten Konflikte nicht eskalieren. ​ Dies hilft den Teilnehmenden, ihre eigenen und fremden Standpunkte wahrzunehmen und zu verstehen. ​

Durch diese Ansätze schafft Betzavta ein Lernumfeld, in dem politische Urteilsfähigkeit, aktive Beteiligung und moralisches Bewusstsein gefördert werden. ​

Die Stärken des Ansatzes in Bezug auf soziales Lernen und Politiklernen lassen sich den Ergebnissen der Evaluaitonsstudie wie folgt zusammenfassen:

 

Demokratielernen:

  • Erfahrungsorientierte Didaktik, die Kombination von kognitiven und emotionalen Elementen und die Förderung von Bewusstseins- und Verhaltensänderungen. 
  • Positive Veränderungen bei den Teilnehmern werden vor allem als Verhaltens- und Bewusstseinsänderungen registriert.  Die Multiplikatoren berichten von einer verbesserten sozialen Interaktion und einem reflektierteren Umgang mit Konflikten. 

Politische Bildung:

  • Verbesserte politische Urteilsfähigkeit und ein tieferes Verständnis der Strukturen und Grenzen der Demokratie.

Thematische Bausteine

Die vom Adam-Institut ursprünglich entwickelten und durch das CAP in München weiterentwickelten und erweiterten Betzavta-Übungen sind  bestimmten - meist aber nicht getrennt von einander abgrenzbaren - gesellschaftlichen Werten und zentralen Elementen der Demokratie als Herrschaftsform zugeordnet. 

Die thematischen Bausteine sind demnach: 

  • Demokratische Grundprinzipien 
  • Das Verhältnis von Mehrheit und Minderheit in einem demokratischen Staat 
  • Grundrechte und bürgerliche Rechte 
  • Der Freiheitsbegriff in Demokratien
  • Gleichheit und Demokratie
  • Demokratie und Rechtsstaatlichkeit
  • Zivilgesellschaft in Demokratien

Mit dem Handbuch „Mehr als eine Demokratie - Sieben verschiedene Demokratieformen verstehen und erleben – 73 Übungen nach der "Betzavta"-Methode“ von Uki Maroshek-Klarman und Saber Rabi, 2015, liegt  ein umfassendes Kompendium zu diesen Themenbereichen mit jeweils zu den genannten Themen passenden Übungen vor.

Bei einer Vielzahl der Übungen liegt die Entscheidung, welches konkrete Thema angeschnitten wird, jedoch bei der Kursleitung bzw. je nach Art der Übung bei den Teilnehmenden.   

Quellenangaben:
 

Akademie Führung & Kompetenz, Centrum für Angewandte Politikforschung: o.D., Seminarkonzept „Betzavta/Miteinander“, München,
https://www.cap-lmu.de/akademie/schwerpunkte/betzavta-miteinander/ 
 

Bommes et al, 2002: Demokratieerziehung in der Praxis. Eine Evaluation des Programms MITEINANDER - ERFAHRUNGEN MIT BETZAVTA. Abschlussbericht, Dezember 2002, Bertelsmann Stiftung, 
https://www.google.com/url?sa=t&source=web&rct=j&opi=89978449&url=https://www.cap-lmu.de/akademie/download/2001_Miteinander.pdf%3Fm%3D1383667548%26&ved=2ahUKEwjZt8Gai_6NAxUGUMMIHbGRNvoQFnoECBQQAQ&usg=AOvVaw1M1V63ZAcPhZ2D5xzlgWuU
 

Wolff-Jontofsohn, Ulrike, 2005: Betzavta - Internationale Trainingsprogramme zur Demokratieerziehung,
https://www.blk-demokratie.de/fortbildung/externe-programme/betzavta.html 

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